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Noahs Arche wurde in Pinzon angebunden

Noahs Arche wurde in Pinzon angebunden

Wie drei Dörfer im Süden zu ihren Namen kamen

Ehrlich gesagt: Es ist schon ein Weilchen her – doch so oder so ähnlich könnte es sich zugetragen haben.
Die Sintflut ebbt ab, der leidgeprüfte, aber glücklich heil gebliebene Noah mit seiner Familie und den vielen Tieren an Bord der Arche irrt ziellos umher. Es trägt ihn südwärts in Richtung Salurner Klause.
Nach all dem Regen und einem ewig neblig-grauen Himmel zieht – endlich – ein heller Streifen am Horizont auf.
„Endlich klar“, ruft Noah aus, „endlich klar …!“
Und so kam der Weiler Entiklar an der rechten Talseite zu seinem Namen, den er bis heute trägt.
Doch Noah muss wieder unter Deck, weil es noch einmal so richtig schüttet. Die Arche wird abgetrieben und strandet erneut.
Noahs Sohn Japhet steigt aus, geht kurz an Land … und tappt in einen Kuhfladen!
Was war das denn?
„Ein Kuhtatsch“, meint der Bauer, der übrigens noch nie zuvor einen Arche-Fahrer gesehen hatte.
„Ein Kuhtatsch?“
Nun gut, Japhet versteht es nicht ganz genau – und berichtet seinem Vater, er sei in Kurtatsch gewesen. Dorfname Nummer zwei.
Und jetzt Pinzon: Wie kommt dieses sonnige Plätzchen nach Entiklar und Kurtatsch zu seinem Namen?
Das ist rasch erklärt: Wieder Regen, wieder Arche, wieder endloses Wasser.
Endlich treffen Noah und sein Riesenschiff auf festes Land. Dieses Mal erkundet Noahs Sohn Cham die Gegend. Und siehe da: Die Sonne kommt durch, Cham genießt Trauben und Feigen, er läuft zurück und überzeugt seinen Vater: „Bind’s an!“
Da die Bewohner der Region die Sprache Noahs nicht verstehen, nennen sie den Ort Bind’s on – und daraus wurde Pinzon.
Eine heitere Geschichte.
Woher sie stammt, weiß niemand so ganz genau, aber erzählt wird sie immer noch.
Doch ein bisschen ernsthafter die Frage: Wie und warum werden drei Dörfer, zumal an gegenüberliegenden Talseiten, miteinander in Verbindung gebracht?
Der wahre, nachvollziehbare Kern der Geschichte könnte darin liegen, dass einem Großgrundbesitzer namens Johann Tiefenthaler hier weite Felder und Obstplantagen gehörten.
Die Erzählung hätte man ihm also auf den Leib geschrieben.
Wir wissen, noch heute schmücken skurrile, naive Reliefs und Zitate den Ansitz Turmhof in Entiklar und den Tiefenthaler-Hof in Pinzon.
Heiteres und Besinnliches also in Erinnerung an den armen Noah, der endlich wieder Fuß fassen, aber nicht genau verstanden wurde …
Im Übrigen stößt man auch im nahen Trentino auf eine Sage, wonach ein mächtiger Eisenring am Doss d’Abramo bei Trient mit der Arche zu tun hätte.
An diesem Ring habe Noah sein Schiff festgemacht, an einem „… anello di ferro, al qual in tempo dell’universal diluvio fu legata l’arca di Noè.”
Und wenn das alles zu guter Letzt nicht stimmen sollte, so hat man zumindest prächtig fabuliert …

Sandra Baumann
Residenz im Grünweinhof
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