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Morgenstern und Dreikirchen

Morgenstern und Dreikirchen

Eine Landschaft wie aus einem Gedicht. Unser Autor übernachtet in einem einsam gelegenen Gasthof in Südtirol - und würde dort am liebsten den ganzen Sommer verbringen.

»Ein Glockenton fliegt durch die Nacht, als hätt er Vogelflügel; er fliegt in römischer Kirchentracht wohl über Tal und Hügel«, heißt es in Christian Morgensterns Gedicht Bim, Bam, Bum, in dem es um die dramatische Dreiecksbeziehung von drei Kirchenglocken geht. Es ist nicht dokumentiert, wo und wann dem Dichter diese Idee zuflog, aber es kann eigentlich nur in Bad Dreikirchen gewesen sein. Neben dem einsam gelegenen Berggasthof bei Barbian im Eisacktal, wo Morgenstern Anfang des 20. Jahrhunderts öfter Urlaub machte und seine spätere Frau Margareta Gosebruch von Liechtenstern kennenlernte, stehen drei ineinander verschachtelte Kapellen, keine fünfzig Schritte vom Haus entfernt.
Wenn sie am Sonntagmorgen bimmeln, bammeln und bummeln, ist man sicher wach – ansonsten ist Bad Dreikirchen aber ein Ort der Besinnung. Das Gasthaus auf 1120 Meter Höhe ist nur zu Fuß oder per Geländewagen-Taxi erreichbar, es gibt drei Kirchen, null Fernseher, null Telefone und null Internet auf dem Zimmer. Bad Dreikirchen war schon zu Römerzeiten ein Ort der Dreifaltigkeit, es gab Tempel für Minerva, Jupiter und Juno, die verehrt wurden wie später Bim, Bam und Bum. Das Gasthaus steht seit dem 14. Jahrhundert, seit 1811 ist es im Besitz der Familie Wodenegg. Der Gastgeber Matthias Wodenegg kultiviert die alte Idee der Sommerfrische, und am liebsten würde man für sechs Wochen bleiben wie weiland Christian Morgenstern.

Gasthof Bad Dreikirchen, Südtirol, Titus Arnu, Süddeutsche Zeitung/SZ Magazin, Heft 33/2015 "Hotel Europa"

Matthias Wodenegg
Gasthof Bad Dreikirchen
Gasthof Bad Dreikirchen

In dieses Naturparadies der faszinierenden Einsamkeit gelangt man mit dem Geländetaxi oder zu Fuß. Ein Haus für die Sinne aus dem 14. Jh. mit Stube, Bibliothek, Musikzimmer und Dolomitensicht.

Details zum Idyllic Place