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Im Wald regiert die Langsamkeit

Im Wald regiert die Langsamkeit

Wie man zwischen Tannennadeln und Pilzen zu innerer Ruhe findet

Entdeckt wurde dieser Platz vor über 100 Jahren, als die englische Adelige Mary Isabel Portman mit der Pferdekutsche im Bergtal unterwegs war. Ein Sonnenplateau inmitten dichter Wälder ist ihr aufgefallen und sie ließ anhalten. Beeindruckt vom Bergpanorama des Wetterstein- und Karwendelgebirges und der Zugspitze beschloss sie intuitiv „hier werde ich mir ein Schloss bauen“. Am nötigen Kapital fehlte es ihr nicht – war sie doch Spross einer englischen Adelsfamilie. Sie wurde als zehntes Kind des 2. Viscounts William Henry Berkeley Portman in eine der reichsten Familien Englands geboren. Damals war ihr die Bedeutung dieses wertvollen Naturschatzes wohl noch nicht bewusst. Heute sind die Buckelwiesen und die Wälder rund um Kranzbach ein besonderer Kraftplatz. Was der Mensch früher intuitiv gespürt hat, ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen – der Wald tut uns gut! Neben Sauerstoff geben die Bäume Duftstoffe und ätherische Öle (Terpene) ab. Beim Betreten des Waldes interagiert der menschliche Körper mit den Terpenen auf höchst gesundheitsfördernde Weise. Das Einatmen bestimmter Terpene produziert sogenannte „Killerzellen“, eine Form weißer Blutkörperchen, die das Immunsystem stärken und besser vor Infekten schützen. Ergänzend dazu haben die Gerüche von Erde, Pilzen, Blumen, Moos, Blättern und Harzen sowie die frische Waldluft positive Wirkungen auf die Psyche und körperliche Gesundheit. Bereits ein einstündiger Spaziergang durch den Wald hilft, den Blutdruck, die Herzfrequenz und die Adrenalinausschüttung zu senken. Die Lungenkapazität nimmt dabei zu und die Elastizität der Arterien verbessert sich. Die meisten Menschen laufen heutzutage auf Hochtouren und sind überlastet. Die Medizin geht davon aus, dass chronischer Stress zu Erschöpfung und depressiven Verstimmungen führen kann und sogar für die meisten unserer heutigen Zivilisationskrankheiten mitverantwortlich ist. Umso wichtiger ist es, hier anzusetzen und zu entstressen. In Japan ist man bereits einen Schritt weiter – dort ist die Waldtherapie, genannt Shinrin-Yoku, offiziell anerkannt und wird vom staatlichen Gesundheitswesen gefördert.
Bei einem Aufenthalt im Kranzbach kann die Waldtherapie unmittelbar erlebt werden. Bei Natur- und Waldwanderungen werden alle Sinne angesprochen. Dabei können auch einmal die Wanderschuhe ausgezogen werden. Barfuß auf Waldboden und grünem Moos laufen, Tannenzapfen sammeln, Blumen pflücken und Kräuter schmecken. Die Geräusche der Natur wahrnehmen – Stille, Vogelgezwitscher, Bachplätschern oder Blätterrauschen. Dies alles geschieht ohne Zeitdruck und abseits sportlicher Höchstleistungen. Allein das Waldatmen und leichte Spaziergänge im Wald wirken. Bestseller Autor Clemens G. Arvay beschreibt in seinem Buch „der Biophilia Effekt – Heilung aus dem Wald“, dass bereits ein einziger Tag im Wald die Zahl der natürlichen Killerzellen im Blut um fast 40% steigert. Der Effekt hält sieben Tage lang an. Bei einem Aufenthalt von drei Tagen in einem Waldgebiet besteht die Wirkung bis zu dreißig Tagen.

Wenn allein schon das Sein im Wald zu innerer Ruhe beiträgt, muss Yoga und Meditation im Wald einen besonderen Effekt haben. Inspiriert von diesen Gedanken dauerte es nicht lange, bis eine Yogaplattform im Kranzbach-Wald entstand. Um die notwendigen Holzstämme schonend in den Wald zu transportieren, wurde tierische Unterstützung eingeholt. Anstelle von Traktoren und Maschinen war das kräftige Norikerpferd Rufus mit Hilfe von Pferd Eric im Einsatz. Der Unterbau wurde aus Fichtenstämmen, die am Rande dieser Waldlichtung standen, konstruiert. Keine üblichen Metallnägel – sondern 2.000 Nägel aus Holz – halten letztendlich die über 90m² große Konstruktion. Die Plattform aus naturbelassenem, heimischem Lärchenholz wurde in zweiwöchiger Arbeit von zwei Zimmermännern aus der Umgebung fertig gestellt. Die geschickten Handwerker haben sogar das Abfallholz verarbeitet – daraus entstanden Sitzhocker in Form von Pilzen. Auf diesen lassen sich die Teilnehmer der Yogaklassen gerne nieder, wenn sie mit den Yogalehrern in den Wald kommen und erst einmal tief atmen, bevor sie die Yogamatte auf der Plattform ausbreiten und in die Asanas geführt werden.

Ein Aufenthalt im Wald macht nicht nur gesund sondern auch Spaß. Selbst wenn das Wetter einmal trüb ist, sollte man sich nicht scheuen, hinaus zu gehen. Nach Regen oder bei Nebel gibt es besonders viele gesunde Terpene in der Waldluft. Und Terpene sind wie kleine Medikamente – wie eine Aromadusche, in der wir uns baden können.

Jakob Edinger
Das Kranzbach
Das Kranzbach

Das ursprüngliche Country House von 1915 am Fuß der Zugspitze wird mit neuem Gartenflügel und Badehaus Wunschziel für Rückzug, Auszeit und Naturerlebnis.

Details zum Idyllic Place