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„Blitzsauberer Bauernhof, wo es nach Kühen roch“

„Blitzsauberer Bauernhof, wo es nach Kühen roch“

Der Zirmer-Gast … entdeckte in alten Briefen seiner Mutter Hesi Freifrau Truchseß eine Aufzeichnung über Radein und den Zirmerhof. Sie stammt aus dem Jahr 1954 und beschreibt ihren ersten Aufenthalt zusammen mit ihrem Mann Dietz.

„Ich hatte vor Monaten ein Gespräch aufgeschnappt, in dem ein Kirchenrat oder Kreisdekan … von seinem letzten Urlaub erzählte. Mir hat die Schilderung solchen Eindruck gemacht, dass ich mir den Namen dieses Urlaubsortes gemerkt habe. Es war der Zirmerhof.
Beim Klang dieser Worte wird mir heute noch das Herz warm.
Wir fuhren also nach Südtirol, zunächst nach Bozen, von da nach Kaltenbrunn – und dann ging's mit Saumpferden auf den Zirmerhof. In diesem Kaltenbrunn war tatsächlich die Welt zu Ende. Wir standen mit unserem Gepäck … allein unter Gottes Himmel. Nach einiger Zeit hörte man das Klappern von Pferdehufen. Aus der Bergwand trat ein Junge mit zwei Haflinger-Pferden.

Für Dietz und mich war dieses Unternehmen ein wirkliches Abenteuer. Ich saß endlich mal wieder auf einem Pferd. Das war freilich kein Reiten, wie ich es aus meinen jungen Jahren kannte. Das Gelände entsprach etwa dem Kirchweg in Lichtenstein (Elternhaus der Erzählerin). Nur steiler und steiniger. die Pferdchen mußten schwere Arbeit leisten, nichtsdestotrotz hängte sich der Junge in den Schwanz meines Haflingers und ließ sich gnadenlos raufziehen.
Das war der Anfang … auf dem Zirmerhof, einem großen, weiträumigen, blitzsauberen Bauernhof, wo es nach Kühen roch. Während wir in unsere Zimmer eingewiesen wurden, waren unsere Pferdchen schon wieder unterwegs, um mit großen Tragekörben rechts und links unser Gepäck nach oben zu holen.

Wir waren vor allem begeistert: Von der paradiesischen Landschaft, 1600 Meter hoch, von dem behäbigen, gepflegten Haus, den entzückenden, holzgetäfelten Bauernstuben voller wertvollen Hausrates und – vor allem – der prachtvollen Familie. Jedes Familienmitglied hatte seinen Auftrag, alles funktionierte fabelhaft.
Ich habe damals viel gelernt von Betriebsführung und Organisation, was ich später auf der Bettenburg gut gebrauchen konnte (auf unserem damals im Aufbau begriffenen Schlosshotel in Franken).

Dietz genoß die Tage unbeschreiblich. Er beschloß sofort, so bald wie möglich, das Weißhorn zu besteigen. Ich … mußte mit. Ich besinne mich auf Situationen, wo ein Heidekrautbüschel mein einziger Halt war, aber natürlich habe ich meine Angst nicht eingestanden. Der Gipfel hat uns dann für alles belohnt, es bleibt ein unvergessliches Erlebnis.
Auf dieser Reise haben wir uns mit dem Phänomen „Urlaub“ befreundet und mein pflichtbewußter und sparsamer Mann ist von nun an öfters mit mir verreist. Immer wieder zog es uns nach Südtirol.“

Soviel aus den Aufzeichnungen meiner Mutter. Die Begeisterung meiner Eltern hat bei uns einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Durch Zufall sind wir vor etwa zehn Jahren im Internet wieder auf den Zirmerhof gestoßen – und seither mit Geschwistern und Freunden (aber auch alleine) immer wieder dort gewesen. Nur: Wir sind fauler als es unsere Eltern und immer nur bis zur Gurndinalm oder anderen Hütten gelaufen. Das Weißhorn haben wir uns gespart … aber unsere Eltern waren damals auch zwanzig Jahre jünger als wir heute …  Michael Freiherr von Truchseß

Es gibt sie noch die gute alte Sommerfrische, das entrückte Leben am Berg, das einen alles vergessen lässt. Der Zirmerhof ist über nun bald 180 Jahre im Familienbesitz und hat sich über die ganzen Jahre, vorausschauend dem historischen Ursprung verschrieben, aber sich dem Neuen nie veschlossen.


Michael und Ilse von Truchseß
Agronomen und Gäste am Zirmerhof